Golf – Ein mörderisches Vergnügen

golf-881326_1920„Sie spielen nicht Golf, Mr Poirot?“, fragte Bex. „Ich? Niemals. Was für ein Zeitvertreib!“, antwortete der erregt. „Stellen Sie sich vor, jedes Loch hat eine andere Länge. Die Hindernisse sind nicht mathematisch angeordnet. Selbst die Grüns fallen regelmäßig nach einer Seite ab! Es gibt nur eine befriedigende Sache: die – wie werden sie doch gleich genannt? –, die Abschläge! Wenigstens die sind symmetrisch.“ (Agatha Christie: „The Murder on the Links“ (1923), Übersetzung: Reef.)

Tatsächlich betrachten wie Hercules Poirot wohl die meisten Menschen das Golfspiel als eine hochgradig irrationale Beschäftigung. Die Golfer selbst bilden hier keine Ausnahme. Allerdings haben sie zu ihrem Sport ein fast sakrales Verhältnis entwickelt, und spätestens, seitdem der Astronaut Alan Shepard 1971 zwei Golfschläge auf dem Mond vollführte, könnte man tatsächlich auf die Idee kommen, dass diesem Spiel etwas Transzendentes anhaftet.golfonthemoon

Erste irdische Hinweise auf einen Zeitvertreib mit Ball und Schläger lassen sich um das Jahr 1200 ausmachen. Zu dieser Zeit begannen Menschen auf der ganzen Welt einen kleinen Ball mit einem dafür ungeeigneten Stock in ein viel zu kleines Loch zu schlagen. Die Grundidee des Golfspiels war geboren.

Die eigentliche Geschichte des modernen Golfsports beginnt allerdings unstrittig in Schottland. Dort entwickelte sich im 14. Jahrhundert eine Version des Spiels, welche sich in den Grundregeln bis heute kaum geändert hat. Die Schotten liebten diesen Sport so sehr, dass sich König James II. 1457 veranlasst sah, „ye golf“ zu verbieten. Stattdessen sollten sich seine Untertanen im Bogenschießen üben. Die Wiederholung dieses Bannspruches durch seine Nachfolger James III. (1471) und James IV. (1491) lässt jedoch die Vermutung zu, dass das Verbot nur wenig Beachtung gefunden hatte. Zudem wurde bald bekannt, dass James IV. selbst Golf spielte. Als 1502 England und Schottland Frieden schlossen, verbreitete sich das Spiel rasch in ganz Großbritannien.
Auf den Kontinent kam das „moderne“ Golf durch Maria Stuart. Die Königin von Schottland führte das Spiel in Frankreich ein. Man kann davon ausgehen, dass sie eine begeisterte Golferin war. Angeblich soll sie 1567 nur einen Tag nach der Ermordung ihres zweiten Gatten eine Runde in Musselburgh gespielt haben. Auf diesem Platz in der Nähe von Edinburgh kann man übrigens heute noch spielen – und man sollte es auch tun, denn das traditionsreichste Golfturnier der Welt, die „Open“, wurde hier zwischen 1874 und 1898 sechs Mal ausgetragen. Schon für 15 Euro lässt sich an Wochentagen auf dem Old Course Golfgeschichte atmen.The_MacDonald_boys_playing_golf 18th_century_by jeremiah davison

Golf entwickelte sich schnell zu einem britischen Volkssport und ist selbst für die reserviertesten Untertanen Ihrer Majestät eine hochemotionale Angelegenheit. Fragen Sie einmal einen passionierten Insel-Golfer nach John Henrie und Pat Rogie, und er wird Ihnen – vielleicht mit Tränen in den Augen – erzählen, wie diese beiden Männer 1593 für ihren Sport in den Kerker gewandert sind. Tatsächlich saßen sie ein, weil man sie am Tage des Herrn zur Stunde des Gottesdienstes wiederholt beim Golfspielen erwischt hatte. P.G. Wodehouse widmete den besagten Rebellen die vielleicht humorvollste Sammlung von Golfgeschichten: „The Clicking of Cuthbert“ (1922). Das „kriminelle“ Verhalten dieser Herren zeigt auch einmal mehr, dass sich Golf und Verbrechen näherstehen, als man es gemeinhin vermuten würde. Es ist daher doch fast folgerichtig, dass dieser urbritische Volkssport eine lange und fruchtbare Liaison mit dem urbritischen Kriminalroman eingegangen ist. Deutsche Krimi-Fans mag das überraschen, was einfach daran liegt, dass nur sehr wenige dieser Golf-Krimis übersetzt worden sind. In den 1920er und 1930er Jahren waren sie besonders en vogue. Fast jeder berühmte und weniger berühmte Autor schrieb in dieser Zeit wenigstens einen Detektivroman, in dem diesem Spiel eine tragende Rolle zukommt. Zu nennen (weil auf Deutsch erschienen) sind hier zum Beispiel Ronald A. Knox’ „Der Mord am Viadukt“ (1925) und Rex Stouts „Die Lanzenstange“ (1934). Aber es gab auch Wiederholungstäter unter den Autoren. Herbert Adams etwa brachte es auf sieben Golf-Krimis und Agatha Christie schrieb immerhin vier Romane, in denen Golf eine gewichtige Rolle spielt. Die junge Agatha soll eine begeisterte Golferin gewesen sein und spielte regelmäßig in Churston und Torquay. Nach ihrer Scheidung von Archibald Christie soll sie den Sport allerdings aufgegeben haben. Bis heute hält sich das hartnäckige Gerücht, dass der Grund dafür das niedrigere Handicap ihrer Rivalin gewesen sei, die Archie kurze Zeit nach der Trennung von Agatha heiratete.TheClickingOfCuthbert

Wie dem auch sei, ihre Kenntnisse des Golfsports zeigen sich in Poirots zweitem Abenteuer „Mord auf dem Golfplatz“ (1923) ebenso wie in „Ein Schritt ins Leere“ (1934), „Kurz vor Mitternacht“ (1944) und dem siebten Marple-Krimi „16 Uhr 50 ab Paddington“ (1957). Der Golf-Krimi ist im angelsächsischen Raum bis heute ein blühendes Sub-Genre. In den Vereinigten Staaten werden ganze Serien mit golfenden Detektiven verlegt (etwa Roberta Isleibs „Cassandra Burdette Mysteries“ oder die „Lee Ofsted“-Serie von Charlotte und Aaron Elkins). Viele Autoren der Gegenwart haben sich wenigstens an einem Golf-Krimi versucht (z. B. Harlan Coban: „Back Spin“ (1997), Catherine Aird: „A Hole in One“ (2005), Ian Simpson: „Murder on the Second Tee“ (2014). Einen guten Überblick bietet die Seite http://librarybooklists.org/mybooklists/mysteriesgolf und Thomas F. Taylors „The Golf Murders“ (1997)). Auch die wohl berühmteste literarische Golfszene überhaupt entstammt der Feder eines britischen Kriminalromanautors. In „Goldfinger“ (1959) lässt Ian Fleming James Bond eine Runde mit dem gleichnamigen Erzschurken im fiktionalen Royal St Mark’s Club spielen. In der Kinoversion findet dieses grandiose Aufeinandertreffen, gespielt von Sean Connery und Gert Fröbe, übrigens auf dem Anwesen von Stoke Park (nahe Heathrow) statt. Auch auf diesem Platz lässt sich noch trefflich golfen. Das Atmen von Filmgeschichte hat allerdings seinen Preis. Im Sommer kann eine Runde dort bis zu 250 Euro kosten.

Zum Autor des Beitrags: Rob Reef wurde 1968 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität Berlin und arbeitet als Berater und Texter in einer Werbeagentur. Seit seiner Jugend liest und sammelt er alte Englische Detektivromane. Seine Leidenschaft für den Golfsport entdeckte er in Devon. Reef lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Berlin. Auf sein Handicap angesprochen, antwortet er: „Golf.“

Sein Golf-Krimi „Stableford“ ist 2015 im Goldfinch Verlag erschienen (http://www.dryas.de/britcrime/stableford)

Edinburgh, die Stadt der Zauberer und Autoren

Ein Besuch mit Verlegerin Sandra Thoms

Sir Walter Scott, der Autor u. a. von „Ivanhoe“, nannte Edinburgh „my own romantic city“. Und jeder, der schon einmal dort gewesen ist, kann das mit Sicherheit nachvollziehen: die kleinen verwinkelten Gassen, der Blick vom Schloss über die Stadt und die Ebene rundherum, die Parks und herrschaftlichen Boulevards in der New Town – Romantiker und Historiker lieben diese Stadt. Ebenso wie Autoren, was sich aus der Dichte der in Edinburgh ansässigen Autoren schließen lässt.

IMG_4188Pflichtprogramm ist daher für mich bei jedem meiner Besuche in der Stadt (und das waren über die Jahre hinweg schon einige) die Besichtigung des „Writer’s Museum“. Sehr zentral in einem kleinen Innenhof gelegen befindet sich das historische Gebäude, welches das Museum beherbergt. Schon das Gebäude fordert jeden Betrachter geradezu auf, sich hinzusetzen und eine eigene Geschichte aufzuschreiben. In dem verwinkelten historischen Gebäude werden Manuskripte und persönliche Gegenstände von Walter Scott, Robert Burns und Robert Louis Stevenson ausgestellt.

The Writers MuseumEin „Museum“ der anderen Art widmet sich in Edinburgh übrigens einer zeitgenössischen Schriftstellerin, nämlich der Autorin von „Harry Potter“, Joanne K. Rowling. Ein großer Teil ihrer ersten Romane soll ja in dem Café The Elephant House geschrieben worden sein. Das Café gibt es immer noch, im Schaufenster hängt ein Bild der schreibenden Joanne K. Rowling, aufgenommen von einer Überwachungskamera des Cafés. An der Scheibe kleben ganze Busladungen von Touristen, die einen Blick in die Wiege ihres Helden werfen wollen, während drinnen der eine oder andere Autor versucht, seinem Vorbild nachzueifern.

The Elephant House

The Elephant House

Während diese beiden Sehenswürdigkeiten das ganze Jahr über geöffnet haben, gibt es in Edinburgh auch einige termingebundene Attraktionen. Nicht umsonst wird die Stadt auch die „Stadt der Festivals“ genannt. Das größte und bekannteste Festival ist im August das Edinburgh Festival Fringe, ein Theaterfestival, das jedes Jahr Unmengen von Schauspielern, Straßenkünstlern und Comedians in die Stadt lockt. Direkt im Anschluss daran findet das Edinburgh International Book Festival statt, an dem jeder Autor von Rang und Namen schon mindestens einmal teilgenommen hat.

IMG_3711Aber Edinburgh ist ja, wie beschrieben, die Stadt der Romantik, in der Zauberer geboren werden oder Monster wie Jekyll und Hyde. Natürlich werden daher dort auch noch die alten keltischen Feiertage Beltane (30. April, bei uns Walpurgisnacht) und Samhain (31. Oktober) gefeiert. An Samhain, heute Halloween, kommen der Legende nach die Geister in unsere Welt. Was in Edinburgh zur Tradition gehört. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit treffen sich die drei Hexen, die schon dem schottischen König Macbeth seine Zukunft vorausgesagt haben, kurz vor dem Eingang des Schlosses und beschwören die Geister. Diese lassen sich nicht lange bitten, bald strömen diverse Naturgeister durch die Straßen und liefern sich einen Kampf um die Stadt, welcher mit einem großen Freudenfeuer der Gewinner endet. Und im Anschluss mit einer großen Auswahl an diversen Partys weitergefeiert werden kann. Die Hexen und Geister sind Schauspielstudenten und Freiwillige, welche jedes Jahr wieder in ihre Rollen schlüpfen. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, sollte man sich dieses Spektakel einmal gönnen.

We sell umbrellasAch ja, und weil das immer eine der ersten Fragen ist, die mir gestellt werden: Ja, es regnet um diese Zeit in Edinburgh. Das tut es meistens, auch im Winter, Frühjahr und Sommer. Aber: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Willkommen in Schottland!

Liverpool – auf den Spuren der Beatles…

Liver Building

… so heißt ein Buch von Beate Baum, dass im Goldfinch Verlag erschienen ist. Grund genug sich die Geburtsstätte der legendären Band einmal näher anzuschauen.

Cover Liverpool_72 dpiLiverpool befindet sich im Nordwesten von England, an der Mündung des Flusses Mersey in die Irische See. Hier leben mehr als 470.000 Menschen, zudem ist Liverpool der zweitgrößte Exporthafen Großbritanniens. Bis nach London sind es ca. 280 km. Offiziell nennt man die Einwohner Liverpools „Liverpudlians“. Geläufiger ist aber die Bezeichnung „Scousers“, nach dem in Liverpool gesprochenen Dialekt Scouse. Sie sind für ihre häufig etwas ruppige Freundlichkeit und ihren tiefgründigen Humor bekannt.

2004 wurde der historische Teil der Hafenstadt zum Weltkulturerbe erklärt. 2008 war Liverpool die Europäische Kulturhauptstadt. Bekannt ist die Stadt nicht nur durch die Beatles, sondern auch wegen der traditionsreichen Fußballvereine FC Liverpool und Everton. Zudem gibt es eine ganze Reihe besonders schöner Bauwerke, herausragender Museen und herrlicher Grünanlagen und damit viele Ausflugsziele. Ein Besuch in Liverpool lohnt also immer.

Liver Building

Liver Building – © Beate Baum www.beatebaum.de

Als das Liverpooler Hafenviertel gebaut wurde, gehörte es zu den modernsten Häfen der Welt. Zu den bekanntesten Vierteln des Hafens gehören der Albert Dock und der Pier Head. Hier befinden sich auch die markanten Gebäude der Three Graces (Royal Liver BuildingCunard BuildingPort of Liverpool Building) befinden. Seit 2004 gelten die Hafenanlagen als UNESCO-Weltkulturerbe, stehen seit 2012 allerdings als gefährdet auf der Roten Liste. Begründung: Es wird zu wenig für den Erhalt getan, die Folge ist ein langsamer Zerfall einiger Gebäude, aber auch zu viele (Neu-)Baumaßnahmen im direkten Umfeld, durch die die Optik des Ensembles negativ beeinflusst wird.

In Liverpool gibt es zwei Kathedralen: die protestantische neugotische Liverpool Cathedral und die römisch-katholische Liverpool Metropolitan Cathedral. Letztere wurde 1967 fertiggestellt, die Liverpool Cathedral zwischen 1904 und 1978. Sie gilt als einer der größten Sakralbauten jGroßbritanniens. Ein wunderschönes weltliches Bauwerk ist Speke Hall. Hierbei handelt es sich um ein Fachwerkherrenhaus mit Gartenanlage aus dem Jahre 1598. Der herrschaftliche Hof im Tudorstil ist eines der hervorragendsten und am besten rhaltenen Beispiele für die Fachwerkarchitektur in der Tudor-Dynastie.

St. Georges-Hall

St. Georges-Hall – © Beate Baum www.beatebaum.de

Anschauen sollte man auch die neoklassizistische St. George’s Hall, die zwischen 1840 und 1855 erbaut wurde, und die Philharmonic Hall. Die St. George Hall an der Lime Street, die alte Stadthalle, bildet mit der Walker Art Gallery, dem World-Museum und der Bibliothek ein beeindruckendes Ensemble, das ebenfalls seit 2004 zum Weltkulturerbe zählt. Bei der Philharmonie handelt es sich um ein Gebäude in großartiger Art-Deco-Architektur, ergänzt durch den gleichnamigen Pub schräg gegenüber (!)

Phil

Phil – Pub gegenüber der Philharmonie – © Beate Baum www.beatebaum.de

Museumsfans kommen ebenfalls voll und ganz auf ihre Kosten, denn in Liverpool gibt es gleich mehrere bedeutende Museen. Im Jahre 1988 wurde die Tate Liverpool (eine Zweigstelle der Tate Modern in London) in einem umgebauten Speicher in den Albert Docks errichtet. Die Kunstgalerie umfasst die nationale Sammlung britischer Kunst aus dem Jahre 1500 bis heute. Immer wieder werden hier auch Sonderausstellungen gezeigt. Bis 2003 war Tate Liverpool die größte Galerie für moderne und zeitgenössische Kunst in Großbritannien außerhalb von London.

Ebenfalls in den Albert Docks im Hafenviertel befindet sich das Schifffahrtsmuseum Merseyside Maritime Museum, das Stadtmuseum Museum of Liverpool, das Fotomuseum Open Eye, das Beatles-Museum The Beatles Story und das Sklavereimuseum. Eine der größten englischen Kunstsammlungen befindet sich in der Walker Art Gallery. Zu bestaunen gibt es hier Gemälde und Skulpturen aus den letzten 600 Jahren. Alles rund um Ägyptologie, Ethnologie und Naturwissenschaften dreht es sich im World Museum Liverpool. Die Blue Coat Gallery im ältesten Gebäude Liverpools hat sich einen Namen mit moderner Kunst gemacht. Der Eintritt in sämtlichen städtischen oder staatlichen Museen ist kostenlos.

Beatles und die Musik in und aus Liverpool

John Lennon Statue Mathew Street

John Lennon Statue Mathew Street

In Liverpool existiert seit den 1960er Jahren eine sehr lebendige Musikszene, die der Gründungsort vieler bekannter Musikgruppen war. Ganz vorn natürlich „The Beatles“, die sich 1960 in Liverpool gründeten und der Stadt damit den Beinamen „Stadt der Beatles“ bescherten. Der bekannteste Musikclub ist der 1957 eröffnete Cavern Club. Lennon, McCartney, Harrison und Pete Best feierten am 9. Februar 1961 ihr Debüt im Cavern Club. Das düsteren Kellerlokal befindet sich in der Mathew Street und wurde zum Stammlokal der Gruppe. Bis heute hat das Local durch 292 nachgewiesene Auftritte der Beatles Kultstatus.

Es gibt aber eine ganze Reihe weiterer bekannter Bands aus Liverpool, wie z.B. The Boo Radleys, Echo & The Bunnymen, The Farm oder Frankie Goes to Hollywood.

Weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist auch das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, das regelmäßig Konzerte in der Philharmonic Hall gibt. Es ist eines der ältesten Symphonieorchester der Welt, gegründet 1840, und trägt seit 1957 den durch Königin Elisabeth II. verliehenen Titel Royal. Über viele Jahrzehnte hinweg war es das einziges Orchester in Großbritannien.


Cover Liverpool_72 dpiDas Buch

„Liverpool – Auf den Spuren der Beatles“ von Beate Baum – Die Autorin, Liverpool-Kennerin und Musikjournalistin, führt den Leser zu zahlreichen Beatles-Orten, auch solchen, die abseits der gängigen Pfade liegen; allem voran in Kneipen, in denen die Jungs Konzerte gegeben haben, wo man noch heute in unverfälschter Atmosphäre sein Bier trinken kann. Aber nicht nur Beatles-Fans kommen auf ihre Kosten: Die Autorin verrät auch, wo man gut wohnen und speisen kann, welches die wichtigsten Museen und Sightseeingpunkte sind und, für eine perfekte „Night Out“, welcher Musikstil wo zu finden ist.

Liverpool fasziniert mich weil…

Beate-Baum_Dietrich-Flechtner-150x150… es bis heute wirklich ein „Pool of Life“ ist, wie Carl Gustav Jungs berühmte Worte lauteten. (Beate Baum)

Canterbury – das Touristenzentrum in Kent

Mit Insidertipps der Autorin Gitta Edelmann

In der Universitätsstadt Canterbury leben rund 55.240 Einwohner. Die Stadt am Fluss Stour in der Grafschaft Kent im Südosten von England ist Sitz des Erzbischofs von Canterbury. Einer Sage nach wurde Canterbury 900 v. Chr. von Rudilibas angelegt. Heute lebt das Zentrum vom Tourismus und ist so kompakt, dass es leicht zu Fuß zu erkunden ist. Außerhalb der Stadtmauern liegen die St Augustine’s Abbey und die Church of St Martin, die aber beide ebenfalls gut zu Fuß zu erreichen sind.

Die Bücher „Canterbury Requiem“ und „Canterbury Serenade“ der Autorin Gitta Edelmann spielen in dieser sehenswerten Stadt. Hier ein Portrait, bei dem Gitta Edelmann uns und Ihnen die Highlights verrät.

 

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral

Weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist die Kathedrale von Canterbury, die in Form eines erzbischöflichen Doppelkreuzes erbaut wurde. Sie hat von Ost nach West eine Länge von 160 Metern. Der älteste Teil ist die Krypta, die um 1070 erbaut wurde. Begraben sind hier König Heinrich IV. von England und Edward of Woodstock, der „Schwarze Prinz“. Berühmt geworden ist die Kathedrale allerdings wegen des Mordes an Thomas Becket im Jahre 1170, der auch Gegenstand der Dramen von George Darley, Alfred Tennyson und Jean Anouilh sowie T. S. Eliots Theaterstück „Murder in the Cathedral“ und Ken Folletts Roman „Die Säulen der Erde“ war.

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral

Canterbury Cathedral, Montag bis Samstag 9.00 bis 17.30 Uhr (Krypta 10.00 bis 17.00 Uhr) im Winter bis 17.00 Uhr, Sonntags 12.30 bis 14.30 Uhr (Kirche & Krypta). Erwachsene £ 10.50, Kinder (unter 18) £ 7.00 (Das Ticket ist 1 Jahr lang gültig, Stand 2015)

St Augustine’s Abbey

598 n. Chr. wurde außerhalb der östlichen Stadtmauer durch den Benediktinermönch und Missionar Augustinus ein Kloster gegründet, das später auch eine letzte Ruhestätte für Könige und Erzbischöfe wurde. Archäologische Ausgrabungen der Grundmauern bilden heute zusammen mit der normannischen Krypta den Mittelpunkt der Anlage. Die Nordmauern sind der höchste erhaltene Teil. Von 1826 bis 1844 war der Bau eine Brauerei. Heute ist in einem Teil die King’s School untergebracht und am Eingang hat das Denkmalschutzamt English Heritage ein kleines Museum, mit Fundstücken vom Gelände der Abtei, eingerichtet.

St Augustine’s Abbey, Tel.: 01227/767345. 28. März bis 30. September täglich 10.00 bis 18.00 Uhr, 1. Oktober bis 1. November Mittwoch bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, 2. November bis 24. März Samstag/Sonntag 10.00 bis 16.00 Uhr (Stand 2015). Erwachsene £5.40, Kinder (5-15 Jahre) £3.20

Insidertipp von Autorin Gitta Edelmann:

„Sehenswert sind auch die St. Martin’s Church und St. Martin’s Churchyard – die älteste Pfarrkirche Englands, die immer noch in Gebrauch ist. Die hübsche kleine Steinkirche gehört mit der St. Augustine’s Abbey und der Kathedrale zum Weltkulturerbe. Vom oberen Teil des Kirchhofs aus hat man einen schönen Blick auf die alten Grabsteine und die Silhouette von Canterbury „

Zu den Bildungseinrichtungen der Stadt gehören die University of Kent, die Canterbury Christ Church University (gegründet 1962), die University for the Creative Arts, das Chaucer College und das Franciscan International Study Centre. Zudem gibt es das Kent College an der Whitstable Road. The King’s School wurde 597 vom Heiligen Augustinus von Canterbury gegründet und ist die älteste erhaltene Schule der Welt.

Gitta Edelmann, warum spielen Ihre Krimis gerade in Canterbury?

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

„Eigentlich hätte ich meine Krimis gerne in Edinburgh spielen lassen, wo ich zwei Jahre gelebt und viele Urlaube verbracht habe. Da aber Mara Laue bereits diesen Schauplatz ausgewählt hatte, suchte ich eine andere Stadt in Großbritannien, die ich gut kenne. Zur Auswahl standen York und Canterbury, beides alte Städte mit engen Gassen und imposanten Kirchen, mit Universitäten, Museen und Shops. Das Zünglein an der Waage schlug letztlich für Canterbury aus, weil dort eine Freundin von mir lebt und weil die Stadt von Deutschland aus recht leicht erreichbar ist.

Es ist auch von Canterbury aus nicht weit nach London (man kann mit dem Bus morgens hin und abends zurück fahren) und Oxford ist ebenfalls gut erreichbar – so kann ich leicht recherchieren und Ella Martin hat die Gelegenheit,  an weiteren Schauplätzen ihre Nase in Dinge zu stecken, die sie nichts angehen …“

Tipp Nummer 2 von Gitta Edelmann:

Tiny Tim’s Tearoom – ein herrlich altmodischer Tearoom im Stil der 30er Jahre (Agatha Christie hätte sich hier auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?) Im oberen Teil des Gebäudes, neben den Toiletten, spukt es! Und nicht nur da. Entsprechend gibt es auch eine „Ghost Tour“ als Stadtführung.

Tiny Tim's Tearoom - hier hätte sich Agatha Christie auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?

Tiny Tim’s Tearoom – hier hätte sich Agatha Christie auch wohlgefühlt, oder hat sie gar?

 

Canterbury Tales - Museum zum Thema Chaucer und seine "Canterbury Tales"

Canterbury Tales – Museum zum Thema Chaucer und seine „Canterbury Tales“

Auch an Museen hat Canterbury einiges zu bieten, wie das Canterbury Tales Museum, im dem Besucher alles über Chaucer, seine Zeit und seine „Canterbury Tales“ erfahren.

Interessant ist auch das Roman Museum, in dem ein Mosaik in situ zu bewundern ist. Nachdem das Museum 2013 einer Verjüngungskur unterzogen wurde, bietet es heute einen faszinierenden und familienfreundlichen Einblick in das römische Canterbury. Erbaut wurde das Museum um die Reste eines originalen römischen Stadthauses mit Mosaiken und Fußbodenheizung. Es gilt als einer der bedeutendsten römischen Funde und katapultiert die Besucher direkt auf die ursprüngliche römische Straße der Vergangenheit. Besucher können sehen, wie die römische Stadt gebaut wurde, sie können durch den Markt schlendern, Gerichte im neuen römischen Esszimmer genießen und erstaunliche Objekte, darunter seltene Werkzeuge, bestaunen. Das Museum gilt nicht ohne Grund als ein Hort der verborgenen Schätze.

3. Insidertipp von Gitta Edelmann:

Historic River Tours

Historic River Tours

Historic River Tours – Bootsfahrten auf dem Flüsschen Stour – Junge „Captains“ mit viel Sachkenntnis und Humor.  Die informative und kurzweilige Bootsfahrt liefert viele historische Informationen zur Stadt und ist auch für Nicht-Engländer gut verständlich. Die Strecke ist verhältnismäßig kurz, dennoch ist man gut 40 Minuten unterwegs. HIn und wieder staunt man über die Geschicklichkeit der „Captains“, die unglaublich schnell und mit viel Gefühl die engen Wasserstraßen bezwingen und die Besucher in den Booten unter tiefen Brücken durchlotsen.
Fazit: Es lohnt sich auf jeden Fall und ist sehr witzig!

Old Weavers´ Restaurant

Wenn Ihnen in Canterbury der Magen knurrt, dann sollten Sie unbedingt in „The Old Weavers´ House“ einkehren. Doch Sie brauchen viel Glück, denn hier spontan einen Tisch zu bekommen, ist reine Glückssache. Vielleicht sollten Sie vorher besser einen Tisch bestellen. Das Restaurant ist in einem Gebäude aus dem Jahre 1500 untergebracht und verfügt über eine gut gefüllte Menükarte mit bezahlbaren Preisen. Das Old Weavers´ ist eines der wenigen Restaurants, in denen es noch wirklich traditionelles englisches Essen gibt und das in guter Qualität.

The Old Weavers House

The Old Weavers House

4. Insidertipp von Gitta Edelmann

Norman Castle

Norman Castle

Norman Castle – Ruine der normannischen Burg: die Burg gehörte zu den ältesten in Großbritannien. Ihr Bau wurde um 1070 von William dem Eroberer begonnen. Die Steinburg wurde später ein Gefängnis und im 19. Jahrhundert Lager einer Gas-Gesellschaft. Heute ist die Ruine von einer kleinen Grünanlage umgeben. Die Burganlage ist frei zugänglich. Am Eingang kann man ein 3D-Modell der Burg, wie sie um 1200 ausgesehen hat, bestaunen.

The Beaney House of Art & Knowledge – Tourist Info, Kunstgalerie und Bibliothek

The Beaney House of Art & Knowledge ist ein Haus der Kunst und Wissenschaft und das zentrale Museum, Bibliothek und Kunstgalerie der Stadt Canterbury. Es ist einem denkmalgeschützten Gebäude untergebracht und war bis 2009, bis es für eine Sanierung geschlossen wurde, als das „Beaney Institut“ oder „Royal Museum and Art Gallery“ bekannt. Im September 2012 wurde es unter dem neuen Namen wiedereröffnet.


Die Autorin:

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Autorin und Canterbury-Liebhaberin Gitta Edelmann

Spannung mit einem Augenzwinkern findet man nicht nur in Gitta Edelmanns zahlreichen Kurzkrimis und Kinderbüchern, sondern auch in ihrer englischen Krimireihe um die Liebesroman-Autorin und Detektivin wider Willen Ella Martin, die zur Recherche nach Canterbury gezogen ist.
Nach längeren Auslandsaufenthalten in Brasilien und Schottland lebt die Autorin seit einiger Zeit in Bonn, von wo aus es nicht allzu weit nach Großbritannien ist.
Gitta Edelmann ist Mitglied verschiedener Autorenvereinigungen und im Vorstand des Verbands Deutscher Schriftsteller VS in NRW. Sie leitet außerdem Seminare für kreatives Schreiben.

 

Cornwall entdecken mit Rebecca Michéle

Cornwall Küste

„Cornwall ist weit mehr, als nur Kulisse für bezaubernde Romane und schöne Fernsehfilme …“ (Rebecca Michéle)

Cornwall hat eine Jahrtausende zurückreichende bewegte Geschichte, so kommen Historienfans voll auf ihre Kosten. Neben Geschichte bedeutet Cornwall aber auch schroffe Klippen, tosende Brandung und Sandstrände. Ein Cornwallaufenthalt wäre unvollständig, wenn man sich nicht mindestens einmal einen ganzen Tag lang aufmacht, die wild-romantische Küste per Fuß zu erkunden. Rund um den gesamten Südwestzipfel Englands zieht sich der so genannte „South West Cost Path“, der allein in Cornwall eine Länge von 430 km hat. Die schönsten, aber auch schwierigsten, Streckenabschnitte liegen eindeutig an der Nordküste zwischen Bude und Newquay und rund um die Penwith Halbinsel (von St. Ives nach Penzance). Feste Wanderschuhe, eine Regenjacke (das Wetter in Cornwall kann sich innerhalb einer Stunde rapide ändern!) und etwas zum Essen und zum Trinken sind unablässig. Man sollte sich vorher eine Karte, die es in jedem „Tourist Information“ gibt besorgen und seine Kräfte nicht überschätzen.

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Crown Mines Bottlack

Oft geht der Weg über Stock und Stein, fällt sehr steil zum Meer ab, um auf der anderen Seite wieder so steil hinaufzuführen, dass man durchaus auch mal auf allen Vieren kraxeln muss. Man wird aber mit wunderschönen romantischen Plätzen in kleinen Sandbuchten, die sonst nicht zugänglich sind, und mit fantastischen Ausblicken auf Kavernen und Grotten belohnt. Bei solchen Wanderungen stelle ich mir oft vor, wie es in vergangenen Zeiten war, als die Einwohner oft stundenlang über solche Wege zum nächsten Markt haben laufen müssen. Gehörte man nicht der Oberschicht an, so war das Leben in Cornwall beschwerlich, von Armut, Krankheiten und Hunger geprägt. Trotzdem waren die Einwohner immer sehr stolz und liebten ihren Landstrich. In all meinen Romanen sehnen sich meine Protagonisten nach Cornwall, wenn sie sich durch diverse Umstände gezwungen sehen, die Grafschaft verlassen zu müssen. Sitze ich zu Hause an meinem Computer und lasse meine Akteure an den Klippen spazieren gehen, so kann ich regelrecht das Rauschen der Brandung und das Kreischen der Möwen in meinen Ohren hören. Über Cornwall zu schreiben, bedeutet für mich auch, für diese Zeit im Geist dort zu sein.

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Cornisches Cottage

Man findet abseits der Dörfer an der Küste meistens keine Anzeichen der Zivilisation des 21. Jahrhunderts, die Landschaft hat sich im Laufe der Hunderten von Jahren kaum verändert. Leicht fällt einem hier die Vorstellung, wie in vergangenen Zeiten Fischer, Seefahrer und auch Piraten angelegt heben. Nicht immer waren ihre Absichten ehrenhaft! Und wer weiß – wenn man aufmerksam ist, begegnet man vielleicht einem dieser verwegenen, attraktiven Gesellen –zumindest in der Phantasie. Mir passiert das regelmäßig!

Wenn man sich für das Leben in vergangenen Zeiten interessiert, sollte man auf keinen Fall die folgenden Höhepunkte verpassen:

Lanhydrock House bei Bodmin – das prächtigste Herrenhaus im Herzogtum Cornwall. Über fünfzig, prächtig und bis ins kleinste Detail im victorianischen Stil eingerichtet, kann man hier besichtigen. Der frühere Küchen- und Dienstbotentrakt sucht im Süden Englands seinesgleichen. Hier wird „Downton Abbey“ lebendig.

King Arthur’s Castle bei Tintagel – steht man auf den knapp 200m hohen Klippen weit über der tobenden Brandung des Atlantiks beginnt jeder an die Legende des sagenumwobenen Königs zu glauben.

Cotehele House südöstlich von Collingford – nicht nur ein Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert, sondern auch eine große Anlage mit Mühle, Schmiede und Sattlerei, ebenso wie eine kleine Hafenanlage am Ufer des Tamars. Cotehele diente mir als Vorlage für „Boventon Castle“, das in den Romanen „Das Ebenbild der Königin“ und ebenfalls „Rückkehr nach Cornwall“ eine Rolle spielt. Selbstverständlich findet der Besucher auch jene kleine Kapelle, die Richard Trelawny als Dank für seine Rettung vor den Feinden errichtet hat. Der Geheimgang ist allerdings – leider – eine Erfindung von mir.

St Michaels MountSt. Michael’s Mount bei Penzance – das auf einer Felseninsel gelegene einstige Benediktinerkloster ist seit dem 16. Jahrhundert im Besitz der Familie St. Aubyn, die noch heute in dem imposanten Gebäude lebt. Bei Flut setzt man mit kleinen Booten über, bei Ebbe führt ein gepflasterter Weg auf die Insel.

Körperlich etwas weniger anstrengend als eine Küstenwanderung, aber nicht minder romantisch, ist ein Ausflug ins Bodmin Moor. Die meisten Besucher lassen diesen Nationalpark links liegen, erfreut sich das in der Nachbargrafschaft Devon gelegene Dartmoor üblicherweise mehr Beliebtheit. Wenn auch kleiner, ist das Bodmin Moor auf jeden Fall einen Ausflug wert. Unbedingt sollte man die Erhebungen „Rough Tor“ und „Brown Willy“ (der höchste Berg Cornwalls) erklimmen, und „The Hurlers“ und den „Cheesewring“ bei einer Wanderung erkundenn. Keine Angst – beim Bodmin Moor handelt es sich nicht um einen Sumpf, in dem man versacken kann, sondern um eine ganz spezielle und sehenswerte Landschaftsform. Wer weiß, vielleicht findet man ja auch in dem kleinen See „Dozmary Pool“ King Arthur’s Schwert Excalibur? Laut alten Sagen leben allerhand seltsame Gestalten im Bodmin Moor, gute aber auch welche, die mit den Menschen gerne Schabernack treiben. Eine dieser Gestalter ist der „cornische Piskey“, eine Art Kobold. Er gilt als Glückbringer und wer ihn sieht, wird in seinem Leben niemals wieder Kummer erleiden müssen.

Küste beim Lizard

Küste beim Lizard

In keiner anderen englischen Gegend Englands kommen Gartenliebhaber so sehr auf ihre Kosten wie in Cornwall. Bedingt durch den Golfstrom herrscht ein sehr ausgeglichenes Klima. Nicht selten, dass die Temperaturen an Weihnachten höher sind als im August (eigene Erfahrung!). Es gibt nur ganz selten Schnee oder Frost, die Pflanzenwelt präsentiert sich in einer Exotik und Üppigkeit, die man in Europa nur noch im Mittelmeerraum findet. Jedes Herrenhaus verfügt über kunstvoll angelegte Gärten, zusätzlich sollte man folgende Gartenanlagen nicht missen: Lost Garden of Heligan, Trelissick Garden und Glendurgan Garden.

Pflanzen und Sonstiges für den heimischen Garten erwerben, kann man bei allen öffentlich zugänglichen Gärten, sowie in zahlreichen Gartenmärkten. Der größte und schönste Gartenmarkt befindet sich in der Nähe der Stadt Wadebridge in Nordcornwall: Trelawney Garden Center

In der Umgebung von Redruth, St. Agnes und auf der Penwith Halbinsel stechen jedem Besucher eine Vielzahl von Ruinen alter Zinn- oder Kupferminen ins Auge. Über viele Jahrhunderte brachten Zinn und Kupfer Reichtum und Wohlstand nach Cornwall – allerdings nur für die Besitzer der Minen, nicht für die Arbeiter.

Wer sich für die Geschichte des Bergbaus interessiert, sollte die „Poldark Mine“ (bei Helston) und die „Grevor Tin Mine“ (bei Botallack) besichtigen und in die alten Minenschächte absteigen. Allerdings darf man dabei nicht unter Platzangst leiden.

Ein zweiter großer Erwerbszweig war der Fischfang. Böse Stimmen behaupten noch heute, dass darüber hinaus der Schmuggel und die Wrackräuberei einen weitaus größeren Stellenwert bei den Küstenbewohnern hatten. Nun, zweifelsohne steckt in der Behauptung etwas Wahrheit. Nicht ohne Grund rief die britische Regierung im 18. Jahrhundert in Cornwall zum ersten Mal eine Art Küstenwache ins Leben.

Hafen Polperro

Hafen Polperro

Heute sind die einstigen Fischerdörfer immer noch voller Leben. Allerdings sind es die Touristen, die sich durch die, zum Teil für den Autoverkehr gesperrten, engen, schmalen Gassen drängen. In den Dörfern Polperro, East Looe und Port Isaac scheint die Zeit stillgestanden zu sein, finden sich dort doch noch reihenweise Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Etwas größer, aber nicht minder faszinierend, stellt sich St. Ives seinen Besuchern dar. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts ist die kleine, verschachtelte Hafenstadt Anziehungspunkt für Künstler aus aller Welt. Übrigens – Rosamunde Pilcher wurde in Lelant, einem Dort in unmittelbarer Nähe von St. Ives geboren, einer ihrer Söhne betreibt in der Nähe eine Farm, und der Berliner Schriftsteller Heinz Ohff lebte über dreißig Jahre in St. Ives.

Küste Lands End

Küste Lands End

In Cornwall findet man gleich zwei Besonderheiten Großbritanniens – nämlich den südlichsten („Lizard Point“) und den westlichsten Punkt („Land’s End“) der Insel. Beide sind einen Besuch wert, wobei der Rummel in Land’s End nicht jedermanns Geschmack ist. Für Kinder ist es jedoch unterhaltsam, finden sich dort doch allerlei Spiel- und Abenteuergelegenheiten für die Kleinen.

Liebhaber von Antiquatäten kommen in Cornwall ebenfalls auf ihre Kosten. Von Nippes, Schmuck, Geschirr, Haushaltsgegenstände bis zu Möbel – es gibt nicht nur eine reichliche Auswahl, dieses auch zu erschwinglichen Preisen. Das Städtchen Lostwithiel südlich von Bodmin bietet die meisten Antiquatäten-Geschäfte, aber auch in Wadebridge, Falmouth und in Mevagissey sollte man sich Zeit zum Stöbern nehmen. Darüber hinaus finden regelmäßig „Antique Fairs“ statt, in den örtlichen Touristen-Informationszentren findet man alle Informationen.

Drei kulinarische Köstlichkeiten darf man sich in Cornwall nicht entgehen lassen:

  1. Cornish Pasty – ursprünglich ein „Arme-Leute-Essen“, besonders für die Bergarbeiter, ist es heute die cornische Spezialität schlechthin. In jeder Ortschaft, in jedem Dorf findet man Pasty-Shops, die besten Pasties gibt es in Tintagel und in Lizard. Hier kann man bei der Zubereitung zusehen und schon dabei läuft einem das Wasser im Mund zusammen.
  1. Cream Tea – zwei, am besten frisch gebackene und noch warme, Scones, dick mit Erdbeermarmelade bestrichen und darüber eine gute Portion Clotted Cream, dazu eine Tasse Tee … Auch diese Köstlichkeit finden man überall, am besten wählt man hier einen eher kleinen Tearoom auf dem Land, wo alles handgemacht ist. Oft weisen Schilder auf der Straße zu einer versteckt liegenden Farm, wo der Besucher nicht nur köstliches „Home Baking“, sondern auch ein netter Plausch mit den Farmern erwartet.
  1. Fish & Chips – kein Aufenthalt auf der Insel, ohne das nicht zumindest mal probiert zu haben. Hier gibt es geschmacklich jedoch großer Unterschiede. Man sollte darauf achten, dass der Fisch lokal und an diesem Tag, an dem er verkauft wird, gefangen wurde, ebenfalls dass die Pomade und die Chips frisch zubereitet und nicht zu fett sind. Hervorragende Fish & Chips erhält man in den Küstenstädten, z.B. in Padstow bei Rick Stein und in St. Agnes in der Trevaunance Cove bei Lewsey Lou’s. Bei Zweiterem bitte die Öffnungszeiten beachten.

Lohnenswert ist auch ein Besuch in Cadgwith und in Port Isaac, wo man bis zum frühen Nachmittag lokalen, an diesem Morgen gefangenen Fisch und Meeresfrüchte kaufen kann.

Zum Schluss noch zwei Veranstaltungshinweise, die man sich – wenn es möglich ist – bei einem Besuch in Cornwall nicht entgehen lassen sollte:

  • Das Minack-Theatre bei Porthcurno südlich von Penzance ist ein hoch über dem Meer in den Klippen gelegenes Amphitheater, griechischen Vorbildern nachempfunden. In den Monaten Mai – September wird dort im wöchentlichen Wechsel ein unterhaltsames Programm geboten – von klassischen Skakespeare-Stücken bis zu aktuellen Musicals.
  • Befindet man sich in der ersten Juniwoche in Cornwall, sollte man einen Tag für den Besuch der Royal Cornwall Show bei Wadebridge einplanen. Es ist eine Art Messe rund um alles, was Cornwall zu bieten hat – von Krimskrams bis hin zu Traktoren kann man hier alles kaufen. Besonders interessant sind die Viehauktionen, hier kommt alles unter den Hammer – von der Honigbiene bis zu Kühen, Schafen oder auch Frettchen für die Kaninchenjagd. Man kann einen Schafscherwettbewerb besuchen, sich die Zeit auf einem Victorianischen Jahrmarkt vertreiben oder in zahlreichen Zelten die originalen köstlichen cornischen Spezialitäten kosten. Vielleicht hat man auch das Glück und erhascht einen Blick auf ein Mitglied der königlichen Familie, von der immer jemand anwesend ist.
Strand an der Westküste

Strand an der Westküste

Jetzt hoffe ich, ein wenig Appetit auf eine Reise nach Cornwall gemacht zu haben. Im Internet sind unzählige Links zu Cornwall zu finden, alle aufzuzählen wäre an dieser Stelle zu viel. Zu erwähnen wäre jedoch die Seite www.cornwall-online.co.uk. Man findet hier eigentlich alles, was für eine Urlaubsplanung wichtig ist.

 


 

Die Autorin:

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Rebecca Michéle, geboren 1963 in Süddeutschland, lebt mit Ihrem Mann in der Nähe von Stuttgart. Seit 15 Jahren widmet sie sich ausschließlich dem Schreiben und hat bereits mehrere historische Romane veröffentlicht. Mehr unter: www.rebecca-michele.de

 

Oxford entdecken mit Autorin Katharina M. Mylius

Das New Building im Magdalen College

Das Buch „Die Toten vom Magdalen College“ spielt in Oxford und bietet neben einem spannenden Krimi einen Einblick in die altehrwürdige Universitätsstadt. Als besonderes Schmankerl hat Autorin Katharina M. Mylius am Ende des Buches ihre ganz persönlichen Tipps für Ausflugsziele festgehalten, die wir Ihnen nicht vorenthalten möchten.

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1. Magdalen College

Oxford (liegt an der High Street kurz vor der Magdalen Bridge) OX1 4AU

Das New Building im Magdalen College

Das New Building im Magdalen College

Das Magdalen College wird [ˈmɔːdlɪn] ausgesprochen – wegen des französischen Einflusses zur Zeit seiner Gründung im Jahr 1458. Es gilt neben dem Christ Church College (bekannt durch die „Harry Potter“-Filme) als eines der herausragendsten und schönsten der 39 Colleges der Universität Oxford.

2. Botanischer Garten

Rose Ln, Oxford OX1 4DU

Das Eingangstor zum Botanischen Garten

Das Eingangstor zum Botanischen Garten

Der Botanische Garten liegt gegenüber des Magdalen College. Er ist der älteste botanische Garten Großbritanniens und wurde im Jahr 1633 fertiggestellt.

3. Oxford Town Hall

St Aldate’s, Oxford OX1 1BX

Die City Hall

Die City Hall

Die Oxford Town Hall in ihrem jetzigen Zustand wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und ist eines der kulturellen Zentren Oxfords. Hier hält nicht nur die Lokalregierung Sitzungen ab, in den historischen Räumen werden auch Hochzeiten, Bälle oder Messen veranstaltet. Zudem beherbergt die Oxford Town Hall ein Museum zur Stadtgeschichte.

4. Bodleian Libary mit Radcliffe Camera

Rose Ln, Oxford OX1 4DU / Radcliff Rd

Bodleian Library (The Bod) ist die Hauptbibliothek der Universität Oxford.

Bodleian Library (The Bod) ist die Hauptbibliothek der Universität Oxford.

Die Bodleian Library (The Bod) ist die Hauptbibliothek der Universität Oxford. 1602 mit einem Bestand von 2.000 Büchern eröffnet, umfasst sie heute eine Sammlung von neun Millionen Einheiten. Die Radcliffe Camera, ein markanter Rundbau aus dem Jahr 1749, wurde 1860 Teil der Bodleian Library und ist heute ein Lesesaal der Bibliothek.

5. Macdonald Randolph Hotel

Beaumont St, Oxford OX1 2LN

Das Hotel Randolph, ein gigantischer Bau mit gotischer Fassade aus dem Jahr 1864, ist das renommierteste Fünfsternehotel Oxfords. Empfehlenswert für alle, die hier nicht nächtigen wollen, ist der Afternoon Tea, englischer Tee mit Sandwiches und süßen Teilchen, oder ein Drink an der berühmten Morse Bar. Und wer weiß – möglicherweise sitzt ein zukünftiger britischer Prime Minister dort direkt neben Ihnen.

6. The King´s Arms, Pub

40 Holywell St, Oxford OX1 3SP

The King’s Arms ist der älteste Pub Oxfords und besteht seit 1607. Er ist vor allem bei den Studenten sehr beliebt. Es wird behauptet, dass während der Semesterzeit die höchste IQ-Dichte der Welt pro Quadratmeter in diesem Pub herrscht.

7. The Head of the River, Pub

St. Aldates, Oxford OX1 4LB

Das Pub in erstklassiger Lage direkt am Ufer der Themse, gilt als eines der besten Pubs in Oxford. Von den Sitzplätzen direkt am Wasser aus bietet sich dem Besucher eine herrliche Aussicht. Ein entspannter Ort zum Essen, Trinken und sogar zum Bleiben – das Pub verfügt über zwölf Zimmer. Besonderes Highlight: hier kann man kostenlos verschiedene Biersorten probieren.

8. Ashmolean Museum

Beaumont St, Oxford OX1 2PH

Das Ashmolean Museum of Art and Archaeology, ein prächtiger Bau aus dem Jahr 1845, liegt gegenüber dem Hotel Randolph. Es zeigt neben archäologischen Funden auch zeitgenössische Kunst und ist das erste Museum der Welt, das einer Universität angegliedert ist.

9. Covered Market

Der Covered Market, auf dem man täglich frisches Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch kaufen kann, befindet sich im Herzen Oxfords in einer Markthalle.

10. Oxfort University Press

Oxford University Press – oder kurz OUP – ist der größte Universitätsverlag der Welt. Er ist der Universität Oxford angegliedert, der er jährlich dreißig Prozent seines Gewinns zukommen lässt.


 


 

Weitere Inspirationen aus Oxford:


Und nun noch ein paar Insidertipps:

Die Little Clarendon Street liegt etwas abseits der Touristenströme im Stadtteil Jericho und erinnert an ein Gässchen in Paris: Hier reihen sich Eisdielen, Cafés, Bars, Restaurants und Delikatessläden an kleine Verkaufsläden.

Der Port Meadow ist ein weitläufiger Naturpark, der sich durch den Südwesten Oxfords entlang der Themse zieht. Hier tummeln sich tagsüber nicht nur Kinder, Studenten und Rentner, sondern auch Pferde. Abends kann man bei untergehender Sonne vom Yachthafen aus die Trainingseinheiten der Ruderteams der Universität beobachten.

Die University Parks, die etwa 70 Hektar großen Grünflächen der Universität, stehen auch Besuchern offen. Wer Glück hat, wird hier bei einem studentischen Cricketspiel mitfiebern können, einer Sportart ähnlich dem amerikanischen Baseball, die heute in vielen Ländern des Commonwealth gespielt wird.

Cowley, ein multikulturelles Viertel, das mit seinen Restaurants, Pubs, Bars und Clubs viele Nachtschwärmer anlockt, liegt im Osten Oxfords.

Keiner sollte Oxford verlassen, ohne sich im Punten, dem Stechkahnfahren, versucht zu haben.

Punten (Stechkahnfahren)

Punten: Keiner sollte Oxford verlassen, ohne sich im Punten, dem Stechkahnfahren, versucht zu haben. Mieten lassen sich die Kähne mit der unhandlichen Stange an verschiedenen Stellen entlang der Themse, etwa beim Botanischen Garten oder in der Nähe des Head of the River Pub.

Blenheim Palace, eines der größten Schlösser Englands, ist etwa eine halbe Stunde von Oxford entfernt. Es wurde für John Churchill, den 1. Duke of Marlborough, erbaut und 1722 fertiggestellt. Seit 1987 gehört es zum UNESCO-Weltkulturerbe. Eine Dauerausstellung erinnert an einen berühmten Nachfahren des Dukes: Winston Curchill, der 1874 hier geboren wurde.


Katharina M. Mylius über Oxford

Oxford ist für mich wie eine zweite Heimat, denn es lässt mich einfach nicht mehr los. Jeder, der Oxford schon einmal besucht hat, wird mir wahrscheinlich nachempfinden können: Die Stadt umgibt etwas Magisches. Die allgegenwärtigen historischen Gebäude lassen einen Geschichte spüren und bei jedem Schritt überlegt man sich, welcher großartiger Denker wohl denselben Weg gegangen sein könnte. Zu meinen schönsten Erlebnissen in Oxford gehören das Stechkahnfahren auf dem Cherwell, der Besuch seiner gemütlichen Pubs und die Besichtigung der alten Colleges mit ihren wunderschönen Bibliotheken – und ganz besonders habe ich das des Magdalen College mit seinem großen Park und den freilaufenden Rehen ins Herz geschlossen.


Das Buch

Die Toten vom Magdalen College

Die Toten vom Magdalen College von Katharina M. Mylius

Die Toten vom Magdalen College von Katharina M. Mylius

Bei einem Alumni-Dinner im Magdalen College der Universität Oxford bricht ein wichtiger Lokalpolitiker tot zusammen. Er wurde vergiftet, doch keiner der Gäste an seinem Tisch will etwas gesehen haben.

Und auch bei ihren weiteren Nachforschungen stoßen Inspector Heidi Green und ihr neuer Kollege Frederick Collins von der Thames Valley Police auf eisernes Schweigen. Nur eins steht fest: Ein paar der Ehemaligen hüten ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit. Bald gibt es eine zweite Leiche …

Ein Oxford-Krimi mit überraschenden Wendungen, der Einblicke in die Welt der altehrwürdigen Universitätsstadt Oxford gewährt.

Die Autorin

Katharina M. Mylius

Katharina M. Mylius

Katharina M. Mylius

Katharina M. Mylius wurde 1981 in Landau in der Pfalz geboren. Ihre Ausbildung absolvierte sie teilweise in den USA und Italien. Nach Abschluss ihres Studiums in Köln arbeitete sie in China und England, dort unter anderem in Oxford, wo die Idee für ihren Krimi entstand. Privat ist sie eine leidenschaftliche Sängerin und Saxophonistin. Mehr über die Autorin unter www.oxfordkrimis.de